Lexikoneinträge G–I


G

Gel-Elektrophorese

Methode, mit der Moleküle (DNS oder Eiweisse) nach ihrer Grösse sortiert werden können. Da alle Moleküle elektrisch geladen sind, kann man durch Anlegen eines elektrischen Feldes bewirken, dass sie durch ein Gel wandern. Je kleiner sie sind, desto schneller bewegen sie sich. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gel wie ein Fischernetz aufgebaut ist. Die kleinen Moleküle können leichter durch die Löcher schlüpfen und kommen demnach schneller voran.

Gen

Ein bestimmter Abschnitt der DNS. Fachleute schätzen, dass der Mensch zwischen 25'000 und 40'000 Gene besitzt. Nicht jedes Gen hat die gleiche Anzahl Bausteine (A, T, C, G). Ein kleines Gen ist etwa 500 Bausteine lang und ein grosses mehrere hunderttausend. Die Abfolge der Bausteine A, G, C und T in einem Gen kann verglichen werden mit einem Satz, in dem geschrieben steht, wie ein Eiweiss hergestellt wird. Man kann sagen: Ein Gen ist ein Eiweiss-Bauplan.

Gen-Defekt

Ein oder mehrere "Schreibfehler" in einem Gen. Ein Gen-Defekt kann z.B. dazu führen, dass ein fehlerhaftes Eiweiss produziert wird, was eine Krankheit verursachen kann.

Gen-Diagnose

Zuordnung einer Krankheit zu einem bestimmten Gen-Defekt (z.B. Chorea Huntington, Zystische Fibrose).

Genetik

Wissenschaft der Vererbung.

Genetik, Augenfarbe

Die Augenfarbe wird von Farbpigmenten in der Iris bestimmt. Bei sehr wenig Pigmenten erscheinen die Augen blau, wird das Farbpigment Melanin (bzw. seine Untertypen) eingelagert, entstehen die Augenfarben gelb, grau, grün, braun bzw. schwarz. An der Vererbung der Augenfarbe sind mehrere Gene beteiligt. Die Augenfarbe des Kindes hängt von der Kombination der Gene ab, die von den Eltern weitergegeben werden. Das beteiligte Gen bey2 besitzt Allele für braune und blaue Augen, das Gen gey für grüne und blaue. Dabei ist das Braun-Allel dominant über das Grün-Allel und dieses wiederum dominant über das blaue Allel. Weitere Gene beeinflussen die verschiedenen Schattierungen der Farben.

Genetik, Haarfarbe

Es gibt kein Blond-Gen oder Braun-Gen. Die Haarfarbe hängt vom Mischungsverhältnis zweier Melanin-Farbstoffsorten ab. Wie viel von welchem Farbstoff gebildet wird, ist jedoch genetisch kontrolliert.

Genetik, Hautfarbe

Die Hautfarbe hängt hauptsächlich vom braun-schwarzen Farbpigment Eumelanin (oft einfach Melanin genannt) ab. Der Anteil an Melanin und dadurch die Helle bzw. die Dunkelheit der Haut ist genetisch bedingt. Durch Sonnenbestrahlung wird aber eine erhöhte Melaninbildung angeregt. Eine zweite Melaninsorte, das rote Phäomelanin, ist für einen rötlichen oder gelblichen Unterton der Haut verantwortlich.

Genetischer Code

Anhand einer Gen-Kopie stellen die "Fabriken" (Ribosomen) ein Eiweiss her. Man kann sagen: Die Sprache der Gen-Kopien (Bausteine: A, U, C, G) wird in die Sprache der Eiweisse (Bausteine: Aminosäuren) übersetzt. Dabei bestimmen immer drei Buchstaben in der Gen-Kopie eine bestimmte Aminosäure im Eiweiss. Diesen Übersetzungsschlüssel nennt man "genetischen Code".

GCA
GCC
GCG
GCU

AGA
AGG
CGA
CGC
CGG
CGU

GAC
GAU

AAC
AAU

UGC
UGU

Ala

Arg

Asp

Asn

Cys

Alanin

Arginin

Asparaginsäure

Asparagin

Cystein

 

GAA
GAG

CAA
CAG

GGA
GGC
GGG
GGU

CAC
CAU

AUA
AUC
AUU

Glu

Gln

Gly

His

lle

Glutaminsäure

Glutamin

Glycin

Histidin

Isoleucin

 

UUA
UUG
CUA
CUC
CUG
CUU

AAA
AAG

AUG

UUC
UUU

CCA
CCC
CCG
CCU

Leu

Lys

Met

Phe

Pro

Leucin

Lysin

Methionin

Phenylalanin

Prolin

 

AGC
AGU
UCA
UCC
UCG
UCU

ACA
ACC
ACG
ACU

UGG

UAC
UAU

GUA
GUC
GUG
GUU

Ser

Thr

Trp

Tyr

Val

Serin

Threonin

Tryptophan

Tyrosin

Valin

Genetischer Fingerabdruck

Ein für jeden Menschen einzigartiges Bandenmuster, das entsteht, wenn man bestimmte Abschnitte seiner DNS mittels PCR vermehrt und die so entstandenen DNS-Stücke mittels Gel-Elektrophorese der Grösse nach sortiert.

Genexpression

Bezeichnung für das Abschreiben der Gene, also für die Herstellung von RNS und Eiweissen aufgrund der genetischen Information auf der DNS.

Gen-Kopie

Bevor eine Zelle ein Gen lesen kann, muss sie zuerst im Zellkern eine Kopie des Gens herstellen. Zwischen dem Gen-Original und der Gen-Kopie gibt es einen Unterschied: Anstelle des Bausteins Thymin (T) tritt der Baustein Uracil (U). Das Gen-Original besteht also aus den Bausteinen A, C, G und T, während die Gen-Kopie aus den Bausteinen A, C, G und U gemacht ist. Die Gen-Kopie wandert dann aus dem Zellkern hinaus ins Cytoplasma zu den "Fabriken" (Ribosomen), welche die Gen-Kopie lesen und das entsprechende Eiweiss herstellen.

Genotyp

Genetische Ausstattung eines Individuums. Im Gegensatz zum Phänotyp, der nur die körperlich ausgeprägten Merkmale bezeichnet, wird der Genotyp an die Nachkommen weitervererbt.

Gen-Taxi = Vektor

Plasmide, Bakteriophagen oder andere Viren, die in der Gentechnik verwendet werden, um fremde DNS in Zellen einzuschleusen.

Gentechnik

Sammelbegriff für Verfahren, mit denen Gene isoliert, gelesen, kopiert, verändert, neu kombiniert und von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen werden können. Es ist z.B. möglich, ein menschliches Gen auf ein Bakterium zu übertragen. Das Bakterium produziert dann anhand des neuen Gens (= Transgen) das entsprechende menschliche Eiweiss.

Gentechnik, grüne

Umgangssprachliche Bezeichnung für die Gentechnik in der Pflanzenzucht und in der Landwirtschaft.

Gentechnik, rote

Umgangssprachliche Bezeichnung für die Gentechnik in der Medizin.

Gentechnik, weisse

Umgangssprachliche Bezeichnung für die Gentechnik in der industriellen Produktion.

Gentherapie

Behandlung (Therapie) einer Krankheit mit Hilfe von Genen.

Gentest

Untersuchung von DNS, um Rückschlüsse auf verschiedene Aspekte eines Individuums zu ziehen, z.B. Krankheitsursachen oder Verwandtschaft.

Gen-Transfer

Übertragung eines Gens von einem Lebewesen auf ein anderes.

Genom

Die Gesamtheit aller Gene eines Lebewesens. Jede Zelle eines Lebewesens enthält die gleichen Gene. Eine menschliche Herzzelle z.B. verfügt also über die gleichen Gene wie eine menschliche Nerven- oder Muskelzelle.

Geschlechtschromosomen

Eine menschliche Körperzelle besitzt von jedem Chromosom zwei Stück (2 x 23 = 46 Chromosomen). Chromosomen kommen also als Paare vor. Von den 23 Chromosomen-Paaren bestimmt ein Chromosomen-Paar das Geschlecht eines Menschen. Bei Mädchen besteht dieses Paar aus zwei X-Chromosomen, während das der Buben aus einem X-Chromosom und einem Y-Chromosom besteht.

Geschlechtsgekoppelte Vererbung

Vererbung von Genen, die nur auf einem der beiden Geschlechtschromosomen (X- und Y-Chromosom) vorkommen.

Geschlechtszellen

Siehe "Keimzellen"

Grüne Gentechnologie

Siehe "Gentechnik, grüne"

G.V.O.

Gentechnisch veränderter Organismus = transgener Organismus. Organismus, auf den mittels Gentechnik fremde DNS übertragen wurde.

H

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Hämoglobin

Ein eisenhaltiges Eiweiss im Inneren roter Blutzellen. Hämoglobin kann Sauerstoff an sich binden, transportieren und wieder freisetzen.

Herbizid

Unkrautvertilgungsmittel.

H.I.V.

Engl. Abkürzung für human immunodeficiency virus. Virus, das beim Menschen die Immunschwächekrankheit Aids auslösen kann.

H.U.G.O.

Engl. Abkürzung für human genome organisation = menschliches Genomprojekt. Ziel dieses Projektes ist es, sämtliche Gene des Menschen zu charakterisieren. Das heisst herauszufinden, welche Gene auf welchen Chromosomen lokalisiert sind und wie die Gene aufgebaut (DNS-Sequenz) sind.

I

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Immunsystem

Körpereigenes System, das der Verteidigung des Körpers gegen Krankheiten dient. Es besteht aus spezialisierten, weissen Blutzellen, die im ganzen Körper verteilt sind. Sie wehren körperfremde Substanzen (z.B. Krankheitserreger) ab und eliminieren krankhafte Körperzellen (z.B. Krebszellen).

Impfung

Erzeugung eines Schutzes gegen Krankheitserreger durch Verabreichung eines Impfstoffes. Dieser besteht entweder aus abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserregern (aktive Immunisierung) oder aus Antikörpern (passive Immunisierung).

Imprinting

Auch genomische Prägung genannt. Bestimmte Gene werden in den Zellen, je nach dem, ob sie in einem weiblichen oder männlichen Organismus sind, unterschiedlich markiert (geprägt). Solche Gene werden zusammen mit der Markierung an die Nachkommen vererbt. Je nach dem, ob das Gen eine mütterliche oder eine väterliche Markierung trägt, wird es unterschiedlich abgelesen. In jeder Generation wird bei der Produktion von Samenzellen bzw. Eizellen die alte Prägung "gelöscht" und die Gene werden gemäss dem Geschlecht neu geprägt.

Insektizid

Insektenbekämpfungsmittel.